Rechtsanwalt Bartholl Presseübersicht (45)

Auszug Beitrag/Artikel (45): HANDELSBLATT Nr. 229/2012, vom 26. November 2012

Verspätet, verloren, vergessen (Titelthema Handelsblatt): Über den Wolken scheint die Freiheit grenzenlos – zumindest für die Fluggesellschaften. Trotz massiver Verspätungen und 25 Millionen verlorener Koffer werden Passagiere kaum entschädigt. Scheitert nun auch die geplante Schiedsstelle?

Von D. Delhaes, J. Koenen, M. Schröder

Rechtsanwalt Bartholl Handelsblatt

Es ist kein halbes Jahr her, da gab Sabine Leutheusser-Schnarrenberger den deutschen Fluggästen ein Versprechen. […] Die Parlamentarier verweisen auf ihre Überlastung. „Wir sind bis obenhinvoll“, sagte der zuständige Rechtspolitiker der Union, Marco Wanderwitz, entschuldigend. Was er verschweigt: Die Lobbyisten der Fluggesellschaften haben offenbar ganze Arbeit geleistet. Die Airlines setzen auf eine freiwillige Selbstverpflichtung. Sie wollen eine eigene Schlichtungsstelle für Fluggastrechte gründen.

“Die Beispiele von geschädigten Fluggästen sind vielfältig. So wollte ein Ehepaar mit der Condor von Rhodos nach Frankfurt fliegen. Am Flughafen wurde ihnen mitgeteilt, dass der Flug auf den nächsten Tag um 17.00 Uhr „verlegt“ worden sei. 24 Stunden später als vorgesehen traf das Paar in Frankfurt ein. Eine Entschädigung gab es nicht. Ein Student flog für ein zweiwöchiges Praktikum in die USA. Auf den neu angeschafften Designeranzug musste er verzichten. Bei der Ankunft in Washington fehlte sein Koffer. Tagelang telefonierte er mit den zuständigen Stellen in Deutschland – bis seine Handyrechnung auf 200 Euro gestiegen war. Die Airline verweigerte bis heute jegliche Entschädigung. Das ist keine Ausnahme. Ein Großteil der Beschwerden wird abgelehnt. Schmitt schätzt die Zahl der abgewiesenen Forderungen auf 80 Prozent – obwohl die EU die Passagierrechte gestärkt hat: Wer bei einem Langstreckenflug drei Stunden und mehr warten muss, hat Anspruch auf bis zu 600 Euro. Doch der Weg zum Geld ist heute mit Bürokratie gepflastert. Kaum jemand beschreitet ihn. […]

 Zahl der Verspätungen wächst. Passagiere kämpfen um Entschädigungen. Airlines spielen auf Zeit. Hinhalten und mürbe machen. Die Fluglinien leisten sich massenhaft Verspätungen und Gepäckverluste. Doch bis zur Entschädigung ist es für Reisende ein mühsamer Weg. 

 Als Familie Bratzenhuber am frühen Abend am Flughafen von Teneriffa ankam, um nach Hause zu fliegen, stand schlicht „cancelled“ auf der Anzeigetafel. Morgen werde der Flug gehen, erklärte eine Mitarbeiterin der Airline. Ein Hotelzimmer für die Familie mit zwei Kindern im Alter von zwei und vier Jahren? Fehlanzeige. Die Bratzenhubers richteten sich auf eine Nacht auf dem Flughafen ein. Am Endewurden aus der einen Nacht im Terminal drei. Zurück aus dem Urlaub, schickte die Familie umgehend eine Beschwerde an die Fluggesellschaft. Die aber ignorierte die Briefe. Inzwischen kümmert sich Jan Bartholl um den Fall. Der Berliner Rechtsanwalt hat sich zusammen mit zwei Kollegen auf Reiserecht spezialisiert. Seit die Europäische Union 2004 Ansprüche in der Fluggastverordnung geregelt hat, boomt sein Geschäft. „Wir können gar nicht alle Fälle annehmen“, sagt Bartholl. Dabei stehen die Chancen für die Kläger gut. „Die Airlines haben gerichtlich fast nie eine Chance.“ Solange keine höhere Gewaltwie eine Vulkanaschewolke oder ein Streik für Ärger sorgt, seien die Ansprüche der Passagiere bei Verspätung oder Annullierung eindeutig geregelt.  […]

 Die Fluggesellschaften aber reagieren mit Standardbriefen. „Die Unternehmen wissen: Wenn sie die Leute lange genug hinhalten, geben sie auf“, sagt Bartholl. In Deutschland gebe es in solchen Fällen nur die Möglichkeit, die Gerichte anzurufen. „Aber die sind völlig überlastet.“ Deshalb hatte Schwarz-Gelb schon im Koalitionsvertrag eine Schlichtungsstelle vorgesehen. Erst im Sommer aber beschloss die Koalition einen Gesetzentwurf. Seither aber ist wenig passiert – zum Unmut der Passagiere. Verspätungen sind das eine, besonders ärgerlich, wenn wichtige Geschäftstermine platzen. Ein großes Problem sind aber auch verschwundene oder beschädigte Gepäckstücke.  Der „baggage report 2010“ des führenden Airportkommunikationsspezialisten SITA listet auf, dass jährlich 25 Millionen der weltweit rund 2,2 Milliarden Fluggäste vergeblich am Gepäckband stehen und auf Koffer und Taschen warten. Etwas mehr als die Hälfte des Gepäcks geht beim Transfer zwischen den Flugzeugen auf Irrweg. 16 Prozent werden nie geladen. 3,4 Prozent bleiben für immer verschwunden. Entschädigt werden Reisende in der Regel mit rund 1 100 Euro. Nicht genug für den Fotografen Florian Lohmann. Der bekam sein verlorenes Gepäckstück zwar nach zweiTagen wieder – allerdings nicht wie erwartet. Der Münchener sollte auf Ibiza eine Modestrecke fotografieren und reiste mit seiner wertvollen Ausrüstung. Scheinwerfer und Lichtgeneratoren hatte er in einem Spezialkoffer mit der Aufschrift „Fragile“ verpackt und wies am Sondergepäck-Schalter auf dessen Wert hin: 13-000 Euro. Bei der Ankunft auf Ibiza fehlte der Koffer. Als Lohmann ihn schließlich in den Händen hielt, traute er seinen Augen nicht: „Mir kamen nur noch Scherben entgegen.“ Er meldete den Schaden am Flughafen in Ibiza und am Ende der Reise noch einmal am Schalter von Air Berlin in München. Dort versicherte man ihm, dass man sich kümmern werde. Der Schaden sei schließlich offensichtlich. Doch als der Fotograf sein Geld bei Air Berlin einforderte, hieß es, er habe die Meldefrist von sieben Tagenversäumt. Der Fotograf wird nun von der Rechtsanwaltskanzlei Bartholl vertreten. Jetzt liegt die Sache beim Landgericht Berlin. […]

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